QueerKids: Glückliche Eltern – was sagen die Kinder?

Schwul Lesbischer Kinderwunsch Gefuehle KinderEine Regenbogenfamilie wird bewusst gegründet, leibliche Kinder lesbischer und schwuler Paare sind das Ergebnis einer meist langwierigen und durchdachten Planung. Wer eine Familie gründet, macht sich nicht nur Gedanken um das eigene Wohlergehen und das der Partnerin oder des Partners – auch die Zukunft des ersehnte Nachwuchs steht im Mittelpunkt der gemeinsamen Familienplanung. Kinder brauchen Liebe und Zuneigung, dass die traditionelle Vater-Mutter-Kind Struktur nicht der Weisheit letzter Schluss ist, dürfte keine revolutionäre Erkenntnis für Besucher und Besucherinnen dieser Seite sein.

Jedoch gehört die Frage nach den eigenen Wurzeln zum Leben dazu. Besonders in der Pubertät findet ein Auseinandersetzen mit der eigenen Herkunft statt. Spätestens im Kindergarten oder Grundschulalter, bzw., sobald die Frage „wie werden Kinder gemacht“ auftaucht, wird klar, dass im eigenen Elternhaus alternative Wege gewählt wurden. Hier ist die Wahl eines YES oder eine NO Samenspenders für Inseminatins-Paare und deren Nachwuchs eine grundlegende Entscheidung.
 

Wo komme ich her?

Es dauert nicht lange, bis die Kleinen bemerken, dass in vielen Familien um sie herum etwas anders ist wie daheim. Wie die Thematik behandelt wird, liegt ganz in Ihrer Hand und hängt natürlich auch davon ab, ob es Kontakt zum biologischen Elternteil gibt, bzw. ob dieses nicht Mitglied Ihrer Familie ist. Besteht kein direkter Kontakt, stehen Regenbogenfamilien vor den selben Fragen, wie es heterosexuelle Familien tun, die ein Kind über eine Samenspende oder Adoption bekommen haben. Hier ist Offenheit gegenüber den Fragen und Wünschen des Kindes grundlegend. Was, wenn Ihr Sprößling den Wunsch äußert, den biologischen Vater (oder die biologische Mutter) zu treffen? Dies muss nicht passieren und muss erst recht keine Abwendung von der eigenen Familie bedeuten. Aber wie stehen Sie dazu? Möchten Sie dies zulassen und welche Beweggründe haben Sie? Ziehen Sie totale Anonymität in Sachen biologische Eltern vor oder soll es die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme geben? Richtig oder falsch kann es hier als Antwort nicht geben, diese Entscheidungen sind zu individuell und hängen von zu vielen Details ab, die Pauschalisierungen unmöglich machen.
 

Inseminations-Kinder – unauffälliges Verhalten

Jedoch ist zu betonen, dass Kinder, die durch Insemination gezeugt wurden, laut der Studie von Dr. Marina Rupp zur Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften am wenigsten mit ihrer Herkunft hadern. Sie vergleicht das Verhalten von Kindern, die aus Adoptionen, Pflegefamilien, ehemals heterosexuellen Verbindungen und eben Inseminationen stammen hinsichtlich des Umgangs der Kinder mit ihrem homosexuellen Elternhaus. Die Frage nach der Auffälligkeit bezieht sich jedoch auch speziell auf Aspekte wie Verlustängste und kann nur bedingt auf durch Insemination gezeugte Kinder übertragen werden.
 

Recht auf Herkunft – Auskunftsplicht der Samenbank

Spender aus deutschen Samenbanken können nur YES-Spender sein, die Frage nach der totalen Anonymisierung kann sich hier also nicht stellen. Ausländische Samenbanken bieten auch Sperma von NO Spendern an. Bei einer privaten Samenspende obliegt es ganz und gar Ihrer Entscheidung, wie viel Kontakt und wie viel Wissen über das Leben des biologischen Vaters in Ihre Familie mit einfließt. Ab dem 18. Lebensjahr Ihres Kindes sind sie ggf. jedoch zur Bekanntgabe der Daten verpflichtet, bzw. Ihr Kind kann bei deutschen Samenbanken auch ohne Ihre Zustimmung Kontakt versuchen herzustellen.

So harmonisch das Leben innerhalb einer Regenbogenfamilie auch sein mag, das direkte Umfeld der Kinder ist ein Faktor, der nicht auszublenden ist. Besonders in der Schule, Familie, im sozialen Umfeld – vor homophoben Anfeindungen ist kaum jemand gefeit. In „Regenbogenfamilien – ein Handbuch“ werden verschiedene Strategien von Jugendlichen aufgezeigt, die den jeweiligen Kindern aus schwul-lesbischen Familien bei negativen Reaktionen an den Tag legen. Wissen, Trotz, Wut, Handgreiflichkeiten, Humor – ganz individuelle schützen die Kinder sich und ihre Familien. Aber auch ganz individuell ist die Offenheit, mit der Regenbogenkinder über ihre Familiensituation kommunizieren. Besonders in der Pubertät ist dies oftmals ein Problem. Selbstfindung, Gruppenzwang, Sehnsucht nach Unauffälligkeit – ein Wirrwarr von Emotionen und Hormonen machen diese Lebensphase weder für Eltern noch Kinder leicht – egal in welcher Familienform gelebt und geliebt wird.
 

Was bedeutet Familie?

Menschen sind soziale Wesen und brauchen einander. Familien sind besondere, sehr intime Formen des Zusammenlebens. Ob in der „klassischen“ hetero Vater-Mutter-Kind Variante, lesbische Paare mit Kind, als schwules Paar oder als Regenbogenfamilie – unsere Familie prägt uns und wir prägen sie. Dies kann bedeuten, dass Eigenschaften und Ansichten der eigenen Eltern übernommen werden oder diese bewusst abgelehnt werden. Erinnerungen können schön und schmerzhaft sein. Als Kind sucht man sich seine Familie nicht aus, man wird in sie hineingeboren, adoptiert oder aufgenommen. Die Wahl des Partners oder der Partnerin ist freiwillig (soweit Liebe denn freiwillig ist). Eine Familie zu gründen ist ein Beschluss, mal mehr, mal minder selbstbestimmt. Besonders wer seinen Kinderwunsch gezielt planen kann, beschließt seine Familie um Nachwuchs zu erweitern, vollzieht dies bewusst und durchdacht. Wie sich diese bewusst gegründete Familie weiterentwickelt, kann nie so wirklich vorhergesagt werden. Denn Familie lebt mit und durch seine Mitglieder. Die Familien-Bande halten unterschiedlich fest, sie bekämpfen sich, zerren aneinander und halten, was vielleicht ohne eben diesen Bund nicht halten würde und binden oftmals eben solche Menschen, die weder Blut Erbgut teilen. „Familien, in welcher Konstellation auch immer, sind auf Glück angewiesen“* - welches selbst definiert, selbst erzeugt und selbst angenommen werden kann und muss.

Familien-Bande

Eine bunte, persönliche und unkonventionelle Darstellung von unterschiedlichen Familienbanden finden sich im gleichnamigen konkursbuch 48 Familienbande aus dem konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Erzählungen, Interviews, Reflektionen und Berichte – eine Fülle von Sichtweisen auf Familien in ganz unterschiedlichen Ausprägungen zeigt, dass Liebe viele Gesichter hat und Familienbande auch ganz blutfrei dicker wie Wasser sein können.
 

Buchempfehlungen und Infomaterial

Sigrun Caspers, Claudia Gehrke. Familien-Bande. Konkursbuch 48. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. ISBN 978-3-88769-248-3. 16,80 Euro

Streib-Brzic; Uli & Gerlach, Stephanie (2005) Und was sagen die Kinder dazu? Gespräche mit Töchtern und Söhnen lesbischer und schwuler Eltern. Querverlag

Gerlach, Regine (2010). Regenbogenfamilien. Ein Handbuch. Querverlag.

Im Beratungsführer des LSVD werden verschiedene Paare interviewt und unterschiedliche Entscheidungen und Motivationen beschrieben.

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