Adoption & Pflegschaft

Homosexuelle Paare AdoptionFür viele ungewollt kinderlose Paare ist die gemeinsame Adoption der oftmals einzige Weg, ihrem Wunsch nach einem eigenen Kind nachzukommen. So scheint Adoption auch für Schwule und Lesben eine gute Möglichkeit zu sein, die Partnerschaft durch ein Kind zu bereichern. Entscheiden sich gleichgeschlechtliche Paare für eine Adoption, so müssen sie bis zum Wunschkind viele Hürden bezwingen. Nach wie vor ist es in Deutschland für schwul-lesbische Paare rechtlich unmöglich, gemeinsam ein Kind zu adoptieren. Eine Adoption und deren Voraussetzungen sind für schwule und lesbische Paare nicht dieselben, wie für heterosexuelle Paare. Schwulen und lesbischen Paaren bleibt nur die Möglichkeit, über eine Stiefkindadoption das gemeinsame Sorgerecht für das Kind zu erhalten. In diesem Fall wird das leibliche Kind der Lebenspartnerin bzw. des Lebenspartners durch die nicht-biologische Co-Mutter bzw. den nicht-biologischen Co-Vater adoptiert. Gemäß zahlreicher Quellen kommt diese Form der Adoption in Deutschland am häufigsten vor, denn die meisten Kinder schwul-lesbischer Lebensgemeinschaften stammen aus früheren heterosexuellen Beziehungen. Die Reglementierungen einer Adoption im Ausland stellen weitere Hürden – finanzielle und ideologische – zwischen Eltern und Wunschkind.
 


Besondere Hürden für schwule Paare

Obwohl gleichgeschlechtliche Partnerschaften heute in der Gesellschaft mehr Anerkennung finden, als bis vor dreißig Jahren, werden Homosexuelle gegenüber heterosexuellen Paaren in vielen Rechtsbereichen benachteiligt – vor allem im Bezug auf die Adoption von nicht-leiblichen Kindern. In schwul-lesbischen Lebensgemeinschaften können Kinder lediglich von einem Partner adoptiert werden. Die Chance, dass das Jugendamt sich beim Adoptionsverfahren für die Einzelperson statt für das heterosexuelle, verheiratete Paar entscheidet, ist allerdings äußerst gering. Für schwule Paare ist es aufgrund homophober Vorurteile darüber hinaus praktisch unmöglich, ein nicht-leibliches Kind zu adoptieren. Prominente Beispiele wie die Auslandsadoption durch Volksmusikstar Patrick Linder und dessen damaligen Lebensgefährten sind dadurch erklärbar, dass es sich hier um eine Adoption durch eine Einzelperson handelt (Lindner). Der „zweite Vater“ trägt somit keine rechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen.
 

Stiefkindadoption: kleines Sorgerecht

Hat die lesbische Frau bzw. der schwule Mann das alleinige Sorgerecht für ihr/sein leibliches Kind, so kann dem nicht-biologischem Elternteil das kleine Sorgerecht übertragen werden. Wenn zuvor allerdings der biologische Vater und die biologische Mutter eine Sorgerechtserklärung abgegeben haben, dann kann der spätere homosexuelle Lebenspartner kein Sorgerecht beantragen. Die Co-Mutter bzw. der Co-Vater muss zudem eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit der leiblichen Mutter bzw. dem leiblichen Vater eingehen. Das kleine Sorgerecht ermöglicht es der/dem nicht-biologischen Mutter/Vater, in vielen Bereichen der Kindererziehung mitsprechen zu können. Ein Kind kann rechtlich nicht von zwei nicht-biologischen Vätern oder zwei nicht-biologischen Müttern adoptiert werden. Das bedeutet für schwule und lesbische Paare, dass einer der schwulen Partner biologischer Vater bzw. eine der lesbischen Frau biologische Mutter des Kindes sein muss, wenn beide Partner auch eine rechtliche Vaterschaft wollen. Im Rahmen der deutschen Rechtsprechung ist somit für schwule Paare ein gemeinsames Kind, für das beide Partner auch rechtliche Pflichten und Verantwortungen tragen nur möglich, wenn es aus einer heterosexuellen Verbindung einer der Partner entstammt.

Beschränkungen des kleine Sorgerechts

Das kleine Sorgerecht umfasst zum einen die tägliche Fürsorge und Betreuung des Kindes. Außerdem hat der Co-Elternteil Mitspracherecht bei Entscheidungen, die das schulische Leben, die Berufsausbildung und die medizinischen Versorgung des Kindes anbetreffen. Die Befugnisse des kleinen Sorgerechts bauen auf Gegenseitigkeit. Dies bedeutet, dass die biologische Mutter bzw. der biologische Vater Entscheidungen der Co-Mutter/des Co-Vaters rechtlich widersprechen kann.Die Befugnis zur Mitentscheidung wird der Co-Mutter bzw. dem Co-Vater bei einer Trennung genommen. Das kleine Sorgerecht greift nur, wenn Personen einer eingetragenen Lebensgemeinschaft zusammenleben.

 

Adoption in Deutschland

Wer sich mit dem Thema Adoption in Deutschland auseinandersetzt, sollte auf rechtlichen Beistand bzw. fachliche Beratung nicht verzichten. Hier gibt es qualifizierte Beratungsstellen, die sich auf die besondere Lage von schwulen und lesbischen Paaren spezialisiert haben.
Eine Sammlung von Webseiten und Anlaufstellen finden Sie unter dem Menüpunkt "Informationen".

 

Soziale Familie – die Möglichkeiten

Wenn die Entscheidung gegen ein leibliches Kind fällt oder es nicht möglich ist, eines zu zeugen, bieten eine Adoption im Ausland oder das Gründen einer Pflegefamilie eine Alternative um die Partnerschaft mit Kindern zu bereichern. Leider ist eine Auslandsadoption oft mit sehr hohen Kosten verbunden, was für viele Paare diese Option ausscheiden lässt.

Auslandsadoption – die multikulturelle Familie

Eine Auslandsadoption ist in Deutschland nur über eine anerkannte Adoptionsvermittlung in Deutschland, private Vermittlungsstellen oder ausländische Vereine oder Organisationen möglich. Jedoch ist auch dieser Weg mit vielen Hindernissen ausgestattet. In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Restriktionen eingeführt worden. Unter anderem auch, da in vielen Entwicklungsländern die Gefahr des Menschenhandels besteht. Dazu kommen die individuellen Regeln innerhalb der Herkunftsländer des Kindes.
Es ist prinzipiell möglich im Herkunftsland des Kindes selber zu versuchen, eine Adoption im Ausland zu vollziehen. Hierzu wird eine Adoptionsgenehmigung aus Deutschland benötigt – und die Offenheit des jeweiligen Systems. Hier spielt einmal Skepsis gegenüber Ausländern aber auch Homophobie eine große Rolle, in vielen Ländern ist die Adoption durch Schwule und Lesben schlichtweg verboten.

Auslandsadoption Reglementierungen

Hier ändern sich Regeln und Verbote ständig. Lesbische Frauen können laut LSVD auf höhere Vermittlungschancen hoffen, schwule Paare begegnen jedoch oft unausgesprochenen Vorurteilen. Möglich ist eine Auslandsadoption jedoch durchaus – wie am schon erwähnten Beispiel Patrick Lindners erläutert für alleinstehende Männer. Die Vorurteile sind jedoch auch hier ein großes Problem, die Konfrontation mit unterschwelligen Vorwürfen der Pädophilie ist fast nicht vermeidbar.

Pflegefamilien

Für Schwule und Lesben ist es möglich, eine Pflegschaft für Kinder zu beantragen. Diese können zeitlich begrenzt sein, was als emotionaler Punkt zu beachten ist. Stellt man sich als Dauerpflegestelle zur Verfügung, ist die Rückführungsquote zur biologischen Familie aber sehr gering. Weiter müssen Familien – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – sich für die Bewerbung um eine Pflegschaft den Behörden hinsichtlich einer Vielzahl persönlicher Details öffnen. Wie offen wird mit der eigenen Homosexualität umgegangen? Wie ist das Verhältnis zu den eigenen Eltern? Wie war die eigene Kindheit? Auch ist die Reaktion des Jugendamts auf eine Bewerbung durch homosexuelle Paare unterschiedlich. Von Stadt zu Stadt kann das Maß der Offenheit und die Blockade durch Vorurteile drastisch variieren. Einen liberalen und offenen Ruf genießen zur Zeit die Städte Aachen und Leipzig, jedoch ist eine Zulassung als Pflegefamilie an viele individuelle Details gebunden.

Informationen und Beratung in Punkto Pflegschaft finden Schwule und Lesben bei einer Vielzahl von Institutionen.

 

 

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